Der obere Bruchgeereberg ist im Diemtigtal (Kanton Bern) auf 1489 m gelegen. Hier verbringen Maja Boss und Philipp Lippuner ihren Alpsommer. Unabhängig voneinander haben beide im 2017/18 mehrere Monate bei basimilch mitgearbeitet mit klarem Ziel, den Sommer 2018 zBärg zu verbringen. Eines hat das Andere ergeben, und nach profunder Evaluation beschlossen die Thunerin und der Schaffhauser als Alpteam beim oberen Bruchgeereberg anzuheuern. Beide mit einem guten Rucksack an Vorwissen und Erfahrungen ausgerüstet, hatten sie doch schon auf verschiedensten Alpen mitgearbeitet, wollten sie es nun wissen und die Verantwortung für einen Alpbetrieb übernehmen.

Der obere Bruchgeereberg gehört der Familie Mani und hier werden fast ausschliesslich die Tiere der Mani’s gesömmert. Dazu gehören: 10 Simmentaler Milchkühe, 6 SwissFleckkühe, 2 Rotfleckvieh 14 Rinder, 7 Kälber, 7 Schweine, 4 Hühner, 4 schneeweissen Melkgeissen und ihre 2 Gitzi. Die Alphütte wurde erst im Jahr 2011 neu gebaut, ist sehr geräumig und gut eingerichtet. So gibt es separate Ställe für die verschiedenen Tiere; den Hauptraum der als Käsi und Küche dient; einen “Milchgaden”, wo gut Platz ist für den Käsereiabwasch; Schlafkammern; und einem grossen Heuboden. Und natürlich “die Laube”, der grosse Balkon, wo bei gutem Wetter mit wunderschönem Blick gegessen wird.

Maja und Philipp haben sich die Arbeitsbereiche aufgeteilt: Maja ist verantwortlich für die Käserei, während Philipp im Stall und beim Melken der Chef ist. Sie stehen um 5h auf. Zuallererst wird der Holzofen eingefeuert, denn vor dem Käsen werden alle Käsereiutensilien mit kochendem Wasser abgebrüht. Im Berner Oberland, sind die Milchkühe zumeist nachtsüber auf der Weide und tagsüber im Stall, wo sie weniger der Hitze und den Fliegen ausgesetzt sind. Am Morgen werden die Kühe von der Weide geholt und wieder zum Melken in den Stall gebracht. Fester Bestandteil des Melkens auf der Bruchgehre ist ein Käffeli, das zwischen den Kühen oder mit Blick auf den Sonnenaufgang vor dem Stall genossen wird und den nötigen Energieschub gibt.

Während Philipp die Kühe melkt, macht Maja bei allen anderen Tieren die Runde: die Geissen werden gemolken, die Hühner aus dem Stall gelassen und die Eier eingesammelt, und der Schweinetrog wird mit Molke gefüllt. Danach sind Geissen, Hühner, und Schweine frei und streunen den ganzen Tag nach Belieben auf der Alp herum.

Einmal im Monat ist Milchwägung angesagt: die Milchmenge jeder Kuh wird gewogen und ins Journal eingetragen. In der zweiten Hälfte des Alpsommers geht die Milchmenge deutlich zurück: die meisten Kühe werden schon bald “Galt gestellt”, also nicht mehr gemolken in den letzten Wochen bevor das nächste Kalb kommt. Und auch das weniger saftige Gras wirkt sich auf die Milchleistung der Kühe aus. Während in der ersten Zeit jeden Morgen Käse gemacht wird, wird in der zweiten Sommerhälfte nur noch alle eineinhalb Tage g’chäset. Also einmal am Morgen und dann erst wieder am nächsten Tag abends. Das hat zwar den Vorteil, dass alle drei Tage ein Käserei-freier Tag ist, dafür muss nach den Abend Chäsete der Käse mitten in der Nacht gewendet werden. Auch die Milch der Ziegen wird verarbeitet. Maja probiert alles mögliche aus von Geisskäse, über Quark bis zu Feta.

Wenn alles nach Plan läuft ist am Nachmittag Zeit für Weidepflege: die Verbreitung der Disteln, der Blacken und des Germers soll verhindert werden. Während der jeweiligen Blütezeit und vor dem Absamen, wird Pflanze um Pflanze ganz oder nur der Blütenstand ausgerissen / abgeschnitten. Zum Alpvertrag gehört auch das Herstellen von 100 neuen Schwirren, wie die Zaunpfosten im Berner Oberland heissen. Diese Arbeit beschäftigt Philipp fast über den gesamten Sommer: junge, umgestürzte oder kranke Tannen werden aus dem Wald geholt, diese mit der Motorsäge zurechtgeschnitten und die Pfosten dann entrindet, was die Lebensdauer der Pfosten erhöht.

Ende August war der grosse Moment für das Alpteam: die Experten von Berner Alp- und Hobelkäse AOP besuchen den oberen Bruchgeereberg um den produzierten Käse zu taxieren. Lochung, Teig, Aroma und das Käseäussere werden benotet. Der Käse aus der Produktion 2018 erhält viermal die Höchstnote, also die begehrten 20 Punkte - wir gratulieren! Anfang September ist Alpabzug der Milchkühe. Es bleibt Zeit die Alp aufzuräumen, um Zäune abzubrechen und genügend Feuerholz zu spalten und aufzubeigen. Damit alles bereit ist wenn es im nächsten Jahr Anfang Juni wieder losgeht.

Text und Fotos: Bettina Wolfgramm und das Alpteam