Cecile Weibel verbringt ihren ersten Alpsommer in einer der regenreichsten Ecken der Schweiz, was in diesem Sommer ein Segen ist. Zuhinterst im Muotatal (Kanton Schwyz) auf der Waldialp auf 1446 m.ü.M. Familie Gwerder, bei der Cecile angestellt ist, sömmert auf der kleinen Alp 17 Braunvieh-Milchkühe, einige Rinder und Schweine. Vier Monate dauert hier die Alpzeit, von Ende Mai bis Ende September.

In der kleinen Alphütte hat erstaunlich viel Platz: der Hauptraum ist gleichzeitig Käserei, Küche, Esszimmer, Garderobe und Buffet für die kleine Gastwirtschaft. Dahinter gegen den Berghang gebaut das Milchgaden, wo die Abendmilch in Gebsen und Vorräte gelagert werden. Die Alp ist sehr einfach eingerichtet. Die Energie kommt aus verschiedenen Quellen: Holz zum Kochen, Gas für die Kessifeuerung, eine Solarzelle für Licht und Rührwerk sowie ein Dieselgenerator für die Melkmaschine.

Morgens um 5 Uhr ist für Cecile Tagwache. Sie feuert den Herd ein, setzt viele grosse Töpfe mit Wasser auf, schöpft den Rahm von der Abendmilch ab und leert diese ins Kupferkessi. Sie nimmt den Alpkäse vom Vortag aus den Formen und legt ihn ins Salzbad. In dieser Zeit melkt ihr Chef die Kühe. Während die Milch im Kessi vorreift, wäscht Cecile das Milchgeschirr und die Käseformen und tischt das Frühstück auf. Die gute halbe Stunde, in der das Lab die Milch zur Gerinnung bringt, ist für die meisten Älpler die Zmorgepause.

Cecile bekam am Sommeranfang von Chef Adolf eine Einführung ins Alpkäsen nach Muotataler Art und macht die Arbeiten jetzt fast selbständig. Jetzt Anfang August sind noch täglich 150 Liter Milch im Kessi. Wann ist die Gallerte fest genug, um mit Bruchschneiden zu beginnen? Wann ist der richtige Moment, um den Käse auszuziehen? Mit diesen zwei wesentlichen Käserfragen sieht sich auch Cecile täglich konfrontiert. Da hilft nur die zunehmende Routine und Erfahrung sowie der Käsereiberater.

Nach Zmittag und kurzer Siesta geht die Arbeit im Käsekeller weiter. Auch den hat Cecile bereits ganz gut im Griff, sagt der Chef. Einige Erfahrungen dazu hat sie bei uns im Basikäsekeller gesammelt, auch wenn natürlich jeder Keller seine eigenen Tücken hat. Einen Teil der Käse lassen Gwerders über den Winter oben auf der Alp weiterreifen, etwa ein Fünftel verkaufen sie am Muotathaler Alpchäsmärcht Ende Oktober. Jeden zweiten Abend verbuttert Cecile den gesammelten Rahm im alten Holzbutterfass. Einen Teil davon siedet Chefin Hildegard im Tal zu Bratbutter ein.

Immer sonntags hat Cecile frei, da kommt die Chefin vom Tal auf die Alp. Zeit zum Ausschlafen, Kräuter sammeln, Yoga machen. Und um die Gegend zu erkunden: die Glattalp, das Balmersgrätli oder den Geissstock.

Für die zweite Halbzeit hat Cecile noch Pläne: sie will melken lernen und ein Molkenbad im Kessi nehmen. Wir wünschen alles Gute für den weiteren Alpsommer!

Text und Fotos: Rosmarie Minder